Depots und Werkstätten in der Landeshauptstadt Schwerin
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Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern
vertreten durch das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin
Offener Realisierungswettbewerb 2012 · 1. Platz
Entwurf Scheidt Kasprusch Architekten GmbH
Planung und Ausführung ARGE Scheidt Kasprusch · Burckhardt Architektur
NF 21.400 qm · BGF 27.630 qm · BRI 128.500 cbm
Fertigstellung 2025
Standort Johannes-Stelling-Straße · 19053 Schwerin
Der Neubau der Depots und Werkstätten für das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sowie das Staatliche Museum Schwerin in der Landeshauptstadt Schwerin erfüllt zwei wesentliche Aufgaben: Zum einen die Bewahrung und den Schutz des Archiv-, Depot- und Kunstgutes des Landes Mecklenburg-Vorpommern, zum anderen dessen wissenschaftliche Aufarbeitung und Katalogisierung. Während das erste Anliegen ein Höchstmaß an Sicherheit und Hermetik erfordert, soll das zweite durch eine offene, freundliche Arbeitsatmosphäre unterstützt werden. Diese gegensätzlichen Anforderungen werden im Entwurf zusammengeführt und bilden das leitende architektonische Thema.
Städtebauliche Einordnung
Städtebaulich wird der ehemalige Exerzierplatz nach Süden durch den 160m langen zweigeschossigen Werkstattriegel gefasst. Eingeschnittene Höfe im Obergeschoss erzeugen eine plastische Gliederung, die auf die Risalite bzw. die Vor- und Rücksprünge der denkmalgeschützten Kasernengebäude reagiert.
Im südwestlichen Anschluss an die Werkstätten befinden sich auf einem unterhalb des Platzes gelegenen Plateau die Depotbauten. Sie erscheinen von oben betrachtet ein Geschoss niedriger als der Werkstattriegel. Als südlicher Abschluss des Kernbereichs des Schweriner Welterbes ist der Neubau bewusst zurückhaltend ausformuliert, die Gebäudehöhe wurde entsprechend gering gehalten.
Äußere und innere Struktur
Das Werkstattgebäude bildet das Rückgrat des Neubau-Ensembles und profitiert von der thermisch gering beanspruchten Nordostseite. Die kammartig eingeschnittenen Höfe im Obergeschoss sorgen für eine optimale Belichtung der Büros, Werkstätten und Sozialräume und verhindern sogleich unerwünschte Einblicke vom öffentlichen Vorplatz.
In den Depotkuben werden die Archivalien außerhalb der Reichweite Unbefugter und geschützt vor schädlichen Einflüssen in unterschiedlichen Idealklimata aufbewahrt. Die stringente Kubatur, die dichte, öffnungslose Gebäudehülle sowie die hohe Speichermasse schaffen hierfür optimale Voraussetzungen und minimieren den Technikeinsatz.
Die Gebäudegeometrie ist konsequent auf die Systemmaße der Lagertechnik abgestimmt. Klimaregulierende und sicherheitsrelevante Schleusenbauten verbinden die Depots an drei Übergängen mit dem Werkstattgebäude.
Nachhaltigkeit
Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde auf beste Arbeitsbedingungen und qualitative Sozialräume geachtet und eine Anpassbarkeit aller Räume unterlegt. Weitere Parameter sind eine hohe thermische Trägheit, eine optimierte Wärmedämmung, eine hocheffiziente Haustechnik samt kontrollierter Lüftung, eine hohe Kompaktheit der Bauteile und eine gute Wartbarkeit.
Die Dächer sind mit flachgeneigten Photovoltaik-Modulen sowie extensiver Begrünung ausgestattet. Die Heizung und Kühlung der Büro- und Werkstatträume erfolgt über Betonkernaktivierung.
Material
Alle Fassaden sind mit Kupferblechen verkleidet. Im Werkstattgebäude ist die Gliederung vertikal, in den Depotvolumen horizontal ausgebildet.
Kupfer ist das Baumaterial mit der längsten Lebensdauer und steht sinnbildlich für den sicheren und dauerhaften Schutz des eingelagerten Kulturguts.
Vertikale Kupferlamellen bilden die äußere Hülle des Werkstattbaus. Teilweise starr, teilweise drehbar, schützen sie vor Einblicken und übernehmen zugleich die Funktion des primären Sonnenschutzes.
Als sich über die Zeit wandelndes und zugleich extrem dauerhaftes Material steht Kupfer sowohl für den Lauf der Zeit als auch für das Bewahren und Schützen.