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Scheidt Kasprusch  Gesellschaft von Architekten mbH


1. Preis für den Wettbewerb St. Antony in Oberhausen

Am 15. Februar 2008 hat die Preisgerichtsjury - unter dem Vorsitz von Professor Dr. Polónyi - dem Entwurfsbeitrag der Architektengemeinschaft Ahlbrecht Scheidt Kasprusch den 1. Preis zuerkannt.

Die Ausgrabungsstätte St. Antony ist Teil des industriearchäologischen Parks des Rheinischen Industriemuseums - Wiege der Ruhrindustrie

Innovation gestern und heute

Die St. Antony Eisenhütte produzierte im 18. und 19. Jahrhundert gusseiserne Produkte von herausragender Qualität. Dieser innovative Geist im Umgang mit Metall ist Grundlage für die Materialwahl der neuen Dachkonstruktion, die als exemplarische Darstellung dessen dient, was mit geringstem Materialeinsatz in unserer Zeit möglich ist. Gleichzeitig erinnert die minimalistische Form des Daches in Schalenform an temporären Wetterschutz aus Zelttuch, das über archäologischen Fundstätten befestigt wird und das sich – gleichsam durch Windsog – nach oben wölbt. Die Dachschale liegt frei über der Ausgrabungsstätte und überdeckt die wesentlichen Teile der archäologischen Funde.

Straßenperspektive

Industriearchäologie vermitteln

Die Besucher erhalten die Möglichkeit am östlichen und westlichen Ende des Grabungsgeländes einzutreten. Zwei Sammelplattformen nehmen auch größere Gruppen auf, informieren über die Geschichte des Ortes und bieten nebenbei die Möglichkeit weitere industrielle Fundstücke auszustellen. Der Haupteingang ist wegen der behindertengerechten Anbindung im Westen vorgesehen. Die Eingangsplattform bietet einen Blick in die Landschaft und auf den hinter der Grabungsstätte renaturierten Bachlauf. An die balkonartige Fläche bindet der ca. 80 cm über der Grabungsstätte verlaufende Steg aus einer Stahlkonstruktion mit Glasgeländern an. Dieser orientiert sich an der Störung des verrohrten und überdeckten Bachlaufes und folgt in seiner Formgebung dem orthogonalen System der ehemaligen Bebauung und somit den archäologischen Funden. Der behindertengerecht ausgebildete Steg wird wechselseitig von „Informationsträgern“ gestützt, die alle wesentlichen Informationen zu den Fundstellen wie auch die Beleuchtung und mögliche Medien aufnehmen können (Lautsprecher, Sender, Kameras, möglicherweise Bildschirme). Eine exakte Positionierung dieser Info-Stationen auf dem Rundgang wird später in Abstimmung mit der Museumsdidaktik vorgenommen.

Lageplan

Grabungsort in der Parklandschaft

Außerhalb des Grundstückes werden im Norden und Osten des Geländes zwei verglaste Einblickmöglichkeiten geschaffen, die Neugierde auf den Industriearchäologischen Park wecken.

Die Böschungen der Ausgrabungsstätte bleiben als „Wunde“ in der Landschaft in ihrem rohen unbegrünten Zustand erhalten und werden zur Stabilisierung geschottert. Die umgebenden Flächen werden begrünt und somit wieder Teil der Parklandschaft. Der verrohrte Bach wird westlich der Grabung bis unter die Eingangsplattform freigelegt und bildet dort den Übergang in die heutige Landschaft.

Die Einfriedung des Museumsgeländes erfolgt über eine an Halme erinnernde freie Anordnung von Corten-Stäben, die in von Erdreich verdeckten Fundamenten eingespannt werden.

Tragwerksbeschreibung

Die Überdachung des Grabungsfeldes St. Antony erfolgt mit einer Rippenschale aus Edelstahlblech. Die Geometrie der Rippenschale ergibt sich aus der Translation einer Kurve konstanter Krümmung entlang einer polygonal angenäherten zweiten Kurve. Die Schale besteht somit aus aneinander gereihten Blechscharen, die in einer Richtung stetig gekrümmt aber abwickelbar sind, in der anderen Richtung ist die Schale polygonal geknickt. Die Fußpunkte der Schale liegen auf einem Rechteck von 42,00 m x 21,00 m, der maximale Stich beträgt etwa 8,50m, die Schalenfläche beträgt etwa 1077 m². An den Schalenrändern sind in senkrechter Projektion Ausnehmungen geplant, die die Schalenfläche an die zu überdachende Fläche anpassen. Die 5mm starke Schalenfläche wird durch 2 Scharen senkrecht stehender Rippen versteift. Die Rippen verlaufen gekreuzt diagonal von Eckpunkt zu Eckpunkt über die Schalenfläche. Eine Rippenschar auf der Schalenoberseite, die andere Rippenschar auf der Schalenunterseite. Somit entfallen aufwendigen Rippenkreuzungen. Die Rippen liegen parallel zueinander und haben 1500 mm Abstand im Grundriss. Die Rippenhöhe ist dem Beanspruchungsverlauf  in der Schale angepasst und variiert zwischen ca. 80mm in Schalenmitte bis zu 150mm am Schalenrand. Der Schalenrand wird durch ein 150mm hohes Randblech verstärkt und fasst die beiden Rippenschalen. Die Entwässerung der Schale erfolgt im Gefälle der oberen Rippenschar zu den Randblechen hin. Die oberen Rippen sind somit am Rand zur Schale hin ausgenommen um den Wasserfluss zu gewährleisten. Die Schale ruht auf 4 Fußpunkten, die von einer 600mm messenden kreisförmigen Platte gebildet werden, die auch die Ableitung des Regenwassers an die Grundleitungen verbirgt. Die Platte ist in einem Betonkörper verankert. Der Betonkörper dient als Pfahlkopf für einen anschließenden Pfahlbock aus Kleinbohrpfählen mit dem die horizontalen und vertikalen Gründungslasten in den Baugrund übertragen werden.


Innenperspektive

Schutz und Konzentration

Die klare Geometrie und minimierte Konstruktion der Dachschale bewirken eine Konzentration auf das Wesentliche. Die schützende, bewahrende Geste des Daches vermittelt dem Besucher etwas vom historischen Wert des Ortes. Die Großform des Daches ist Landmark und sichtbares Zeichen für den besonderen Ort  –  die Wiege des Ruhrgebietes.



Weitere Mitarbeiter: Victoria Ageev, Bernd Wiehle, Uwe Zinkahn
Statik: Ingenieurbüro Schülke und Wiesmann, Dortmund
Aussenanlagen: wbp-Landschaftsarchitekten, Bochum